Berlin, die ungeschminkte Schönheit

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Bikini Berlin – ein Atoll der schönen Dinge
Die Berliner sind bekannt für die Entwicklung griffiger wie liebevoller Bezeichnungen – insbesondere für Architektur. So nannten sie im Jahr 1957 das in der Nähe des Zoos gelegene Gebäudeensemble Bikinihaus. Ein von Säulen eingefasstes Luftgeschoss teilte die Fassade in einen oberen und einen unteren Bereich und erinnerte so an die damals gewagte Bademode. Heute gehört das Bikinihaus zum denkmalgeschützten Areal in der Berliner City West und verbindet exemplarisch Leben, Arbeit und Kultur. In den unteren drei Etagen, der Concept Mall, empfangen von den Betreibern kuratierte und aufeinander abgestimmte Shops sowie Gastronomiebetriebe.

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Empfehlen möchten wir zum Beispiel einen Besuch bei Vitra und Artrek. Die inzwischen vereinten Design-Marken präsentieren hier saisonal abgestimmte Möbel sowie Accessoires; zeigen diese in frischer und unbefangener Art. Wie fast überall in Shops oder Manufakturen erhält man auch hier eine Erfrischung: Der Espresso schmeckt in der Giro Coffee Bar des Künstlers Igor Paasch.

Neben solch renommierten Marken wählte der Onlineshop Urbanara das Bikini Berlin als Schnittstelle zur analogen Welt. Die Macher bündeln im Showroom nachhaltig Produziertes aus aller Welt für unser Zuhause.

Weiterhin signifikant für das Bikini Berlin als exklusive Shoppingadresse ist das Modelabel Odeeh der Designer Otto Drögsler und Jörg Ehrlich. Die rigorosen Silhouetten ihrer Entwürfe kommen in einer Shoparchitektur zur Geltung, die den Geist der 1950er Jahre modern und mittels Beton interpretiert. So treffen Seidendrucke aus Norditalien die lässige Eleganz à la Drögsler und Ehrlich. Was in deutschen Ateliers, Manufakturen und Meisterbetrieben gefertigt wurde, spiegelt die bewusst gewählte Idee der Anti-Industriealität.

Wer weiter zieht, sollte zuvor die Dachterrasse des Bikini Berlin besuchen: Die 7000 m² große Fläche gewährt einen einmaligen Blick auf den Berliner Zoo. Und hier findet man auch das vielseitige Unternehmen Gestalten. 1995 in Berlin gegründet, ist Gestalten bekannt für seine Publikationen im Bereich Design, Illustration, Architektur, Typografie und zeitgenössischer Kunst. Der Gestalten Pavilion Store and Cafe auf der Dachterrasse realisiert, was Print berichtet. Ein sehenswertes Sortiment vereint die Produkte junger Gestalter, exklusiver Marken und traditionsreicher Hersteller. Im Café wird moderne regionale Küche serviert und so kann es passieren, dass man länger verweilt als geplant.

Bikini Berlin, Budapester Straße 38-50, 10787 Berlin
www.bikiniberlin.de

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International Wardrobe – Türen auf für Toleranz und Individualität in der Mode
„Wie sehen die denn aus?“, dachte sich so mancher Berliner, als Ende des 17. Jahrhunderts Hugenotten in die Stadt flüchteten. Zwar waren die fleißigen Handwerker auf eigene Weise gekleidet, hatten aber auch das Wissen über edles Tuch sowie feine Stickereien im Gepäck und trugen bald zum wirtschaftlichen Erfolg an der Spree bei.

Vielleicht hätte Katharina Koppenwallner heute Freude an dem eleganten Outfit der französischen Einwanderer. Die Kunsthistorikerin ist nämlich Gründerin des Projekts International Wardrobe und versammelt in Ihrem Geschäft Trachten sowie folkloristische Textilien aus aller Welt als nonverbale Botschafter der jeweiligen Kultur. Zu Blusen, Schürzen, Kittel oder Hosen in jeweils landestypischer Materialität und Produktion gibt es entsprechende Erklärungen.

International Wardrobe, Almstadtstraße 50, 10119 Berlin
www.internationalwardrobe.com

Type Hype – Manufakturarbeit von A bis Z
Bei Type Hype trifft Typografie auf Produkt. Es entsteht hochwertige Gestaltung, die man gerne begreift, ertastet und fühlt. Die vielfach ausgezeichneten deutschen Gestalter Kirsten Dietz und Jochen Rädeker haben ihre Erfahrungen mit dem digitalen Wandel in eine erfolgreiche Geschäftsidee gemünzt. Ihre fünf Designlinien schmücken Accessoires für den täglichen Gebrauch. Der Clou: Namen oder Begriffe können so aus Produkten buchstabiert werden. Dabei sind Dietz und Rädeker auf angenehme Weise konsequent und detailverliebt. Sie wählen hochwertige wie nachhaltige Rohstoffe – nicht nur für ihre Produkte, sondern auch für die Kulinarik an Ort und Stelle: eine Milchbar. Sie erinnert mit schmackhaften Kakao- oder Kaffeespezialitäten, kreiert aus regionaler Biomilch, an den früheren Glauben, der besagt, dass der Verzehr von Milch die Schriftsetzer vor einer Bleivergiftung schütze.

TYPE HYPE, Rosa-Luxemburg-Straße 9–13, 10178 Berlin
www.typehype.com

Luiban papeterie – Schreiben von seiner schönsten Seite
Dieses Geschäft ist extrem gut sortiert – in jeder Beziehung. Kreatives Chaos? Gibt es bei Luiban nicht. Exakt ausgerichtet sind Stifte, Papier und Co in einem Verkaufsraum, der ein Büro aus den 1920er Jahren zitiert. Gleich scheint, der in Berlin geborene, Tucholski um die Ecke zu biegen. Dieser unbeugsame Journalist und Schriftsteller hatte übrigens 1911 auf dem Kurfürstendamm eine Bücherbar eröffnet: Jede, der ein Buch erwarb, bekam einen Schnaps dazu … so weit gehen die Betreiber von Luiban allerdings nicht. Ihre Produkte überzeugen alleine durch Design, Funktionalität und handwerkliche Produktion. Ein Rausch der anderen Art eben.

luiban papeterie, Luihardt & Bandt GbR, Rosa-Luxemburg-Straße 28, 10178 Berlin
www.luiban.com

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Daniel Heer – Die Manufaktur für Ausgeschlafene
Die Produkte aus dem Atelier von Daniel Heer sind ein Traum; vor allem seine handgearbeiteten Rosshaarmatratzen. Seit 2007 fertigt der junge Eidgenosse in Berlin, womit seine Familie seit 1907 Erfolg hat. Für die Füllung der Schlafunterlagen dient seit dieser Zeit Rosshaar, geliefert von der Schweizer Firma Toggenburger. Warum etwas ändern, das ausgezeichnet funktioniert? Und so schichtet, näht und bezieht Heer nicht nur Matratzen von höchster Qualität und Funktion – die bei richtiger Pflege bis zum 100 Jahren dienen –, sondern liefert einer nach Sinn suchenden Gesellschaft die passenden Produkte.

Daniel Heer, Rosa Luxemburg Strasse 26, 10178 Berlin
www.danielheer.com

+++ Buchtipp +++
The Craft and the Makers
Tradition with Attitude
Das Buch stellt in Manufakturen gefertigte Produkte vor; unter anderem auch Daniel Heer. Redaktion: Duncan Campbell, Charlotte Rey, Robert Klanten, Sven Ehmann, Erscheinungsdatum: September 2014
Full color, hardcover, 272 Seiten
Sprache: English
ISBN: 978-3-89955-548-6

Kühn Keramik – Ironie und handwerkliches Können macht Ton zur Preziose
Da ist der Name doch Konzept: Bernhard Kühn erfindet Altbewährtes zwar nicht neu, gibt ihm jedoch durch feinsinnig gewähltes Dekor eine neue und aufmerksamkeitsstarke Interpretation. In seiner Berliner Werkstatt fertigt er mit seinem Team Nützliches für den Alltag in schlichter, nie ganz akkurater Form. Vom Zahnputzbecher über die Kakaotasse bis zu Händen – die können Schmuck halten oder selber dieser sein – gibt es bei Kühn alles; meist durch Typografie oder feinlinige Illustration in schwarz oder rot geschmückt. Lediglich Gold setzt hintergründige Akzente bei dieser Form dreidimensionaler Poesie. Der Weg zu Kühn Keramik im tiefen und echten Kreuzberg lohnt sich.

Kühn Keramik, Yorckstraße 18, 10965 Berlin
www.kuehn-keramik.com

Our/Berlin – ein Toast auf „think global and act local“
Mit dem Trendgetränk Wodka zeigen Pauline Hoch und Jon Sanders, die Macher der Agentur Paul Sanders, dass ein weltumspannender Genuss durchaus lokal funktionieren kann. Die Rezeptur steht global fest – lediglich die Zutaten werden vor Ort generiert. Aus Our/Wodka wird so Our/Berlin, Our/Detroit, … der Flavour variiert angenehm und nachvollziehbar. Zur guten Idee kommt das puristische Design.

OUR/BERLIN gesehen im Departmentstore Quartier 206, Friedrichstrasse 71, Berlin
www.dsq206.com
www.ourberlin.de

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Edsor Berlin – eine Manufaktur verbindet Stil und Zeit
Neben Uhr und Schreibgerät ist die Krawatte wohl ein aussagekräftiges Accessoire für den Mann – gestern wie heute. Ohne Worte beschreibt sie Typ und Image; ist sie aus der Manufaktur Edsor Berlin tut sie dies aus feiner italienischer Seide und von Hand gefertigt. Auch Krawattenmuffel würden ins Schwärmen geraten, besuchten sie die kleine Fabrikation im Kreuzberger Hinterhof. Im historischen Ambiente des Art Deco entstehen pro Jahr zwei Kollektionen à 300 Dessins. Neben den Bindern fertigt Edsor seit über 100 Jahren Einstecktücher, Schleifen, Schals und Kummerbunde.

EDSOR Kronen Flagshipstore,  Hackesche Höfe, Rosenthaler Straße 40/41, Berlin
www.edsor.de